Lifestyle
April 9, 2020

15 Fragen, die du dir vor der Pension stellen solltest

Diese Version ist für Leser, die in Österreich leben. Hier kommst du zur deutschen Version der "15 Fragen, die du dir vor der Rente stellen solltest"

Vorweg: Eine Blaupause für die Pension gibt es nicht. Wie sich der neue Lebensabschnitt gestaltet, ist so unterschiedlich, wie die Karrierewege der Menschen, die in den Ruhestand gehen, selbst.

Eines aber eint sie. Sie alle machen sich spätestens mit Mitte 50 Gedanken über ihre nächste Lebensphase. Diese 15 Fragen sollten sie sich spätestens dann stellen.

Wir haben für dich ein Arbeitsblatt mit 15 Fragen gestaltet. Drucke es dir aus und beantworte die Fragen in aller Ruhe für dich allein. Wenn du hier weiterliest, bekommst du zu den 15 Fragen hilfreiche Kommentare und Erklärungen von Arbeitspsychologin Claudia Altmann und WisR. Viel Freude und Inspiration damit! 

1. Was sehe und fühle ich, wenn ich an die Pension denke?

Claudia Altmann: Idealerweise macht man immer wieder in seinem Leben Zwischenbilanzen: Wie läuft es aktuell? Passt mein Job, mein Familienleben? Stecke ich im Hamsterrad? Möchte ich etwas verändern? Man darf sein Leben durchaus hinterfragen - es wäre schade, erst im Ruhestand draufzukommen, dass man Vieles lieber anders gehabt hätte.

2. Wann habe ich Anspruch darauf, in Pension zu gehen?

WisR: Das Regelpensionsalter beträgt für Männer 65 Jahre und für Frauen 60 Jahre. Ab 2033 gilt ein einheitliches Regelpensionsalter von 65 Jahren für Männer und Frauen. Den persönlichen Zeitpunkt berechnen unterschiedliche Onlinetools. Über die Art des Ausscheidens aus dem Unternehmen sollte man sich idealerweise frühzeitig gemeinsam mit seinem Arbeitgeber Gedanken machen.

Gesundheits- und Arbeitspsychologin Claudia Altmann
3. Was werde ich an meiner Arbeitszeit vermissen? 

Claudia Altmann: Viele Menschen bekommen mit der Pension das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Manche fühlen sich aufs Abstellgleis gestellt, die Teilhabe an der Gesellschaft - ein Grundbedürfnis der Menschen - nimmt durch die Pensionierung ab. Natürlich ist das Arbeitsende einschneidend. Verluste sind aber nicht immer reine Verluste. Man sollte alle Seiten betrachten und den Lebensabschnitt ganzheitlich sehen.

4. Was wiederum gewinne ich durch die Pension?

Claudia Altmann: Viele definieren sich über ihre Arbeit, sie macht dann einen großen Teil ihres Selbstwertes aus. Es gibt aber auch Menschen, die sich auf die neu gewonnene Zeit freuen, Reisen planen, Kurse machen oder Zeit für die Enkelkinder haben wollen.

5. Wie viel Geld erhalte ich in der Pension und komme ich mit diesen Einkünften aus?

WisR: Die Höhe der Pension setzt sich aus unterschiedlichen Parametern zusammen. Die voraussichtliche Höhe kannst du online ausrechnen lassen. Die monatliche Pension aller AlterspensionistInnen in Österreich betrug laut Statistik Austria im Dezember 2018 im Schnitt 1.966 Euro bei den Männern und 1.126 Euro bei den Frauen (brutto inkl. Zulagen und Zuschüsse, ohne Sonderzahlungen). Die 2018 erstmalig zuerkannten Alterspensionen pro Monat betrugen im Schnitt hingegen schon 2.227 Euro für Männer bzw. 1.284 Euro für Frauen. Wie man sieht, gibt es einen großen Pensions-Gap zwischen den Geschlechtern. Er ergibt sich aus unterschiedlichen Faktoren: Frauen arbeiten wegen der Kindererziehung oft in Teilzeit, verdienen (auch deshalb aber auch durch den Gender Pay Gap) weniger und sie besetzten weniger gut bezahlte Manager-Posten. Alleinlebende Pensionistinnen sind deshalb überdurchschnittlich oft von Armutsgefährdung betroffen.

6. Möchte ich mich weiterhin engagieren - bezahlt oder unbezahlt?

Claudia Altmann: Ich finde es - auch aus psychologischer Sicht - wichtig, dass ältere Menschen die Möglichkeit haben, weiterzuarbeiten. Sie werden dadurch integriert und nicht isoliert. Aber auch Jüngere profitieren von der Zusammenarbeit mit Älteren. Einschulungen werden heute immer kürzer, Jobdiscriptions sind oft vage gehalten - viele Jüngere wünschen sich daher Mentoren. Sie greifen da auf wertvolle Erfahrung zurück. Wenn mehrere Generationen miteinander arbeiten, entsteht eine gegenseitige Wertschätzung. So ein Austausch ist auch für die psychische Gesundheit wichtig. Eine Aufgabe - und sei es nur für ein paar Stunden in der Woche - , bei der man gebraucht wird, kann extrem bereichern.

7. Welchen Lebensinhalt habe ich neben der Arbeit noch?

Claudia Altmann: Manche arbeiten so lange sie können und verschieben ihre Pension sogar. Sie erleben dann oft einen Schock, wenn sie von heute auf morgen merken: Ich habe neben meiner Arbeit sonst nichts mehr.

WisR: Dieser Zustand ist vielen als Pensionsschock bekannt. Wer sich früh genug mit der Pension und beschäftigt und Wertvolles für sein eigenes Leben identifiziert, kann ihm entgegenwirken.

8. Wie möchte ich mein erstes halbes Jahr in der Pension ausgestalten?

WisR: Herrlich. Endlich Zeit für jene Dinge haben, die im beruflichen Alltag stets zu kurz gekommen sind. Experten raten dazu, sich trotzdem so etwas wie einen neuen Tagesablauf zu kreieren und sich auch weiterhin spannenden Aufgaben - und sei es nur das Buchlesen oder Kochen - zu widmen.

9. Wie ändert sich meine Beziehung? Geht mein/e Partner/In auch bald in Pension?

Claudia Altmann: Wenn einer oder sogar beide in Pension gehen, ist das für Paare oft eine schwierige Situation. Man war es gewohnt, ein gutes Regulativ zu haben, arbeiten zu gehen, auch Ablenkung von der Beziehung zu haben. Plötzlich hängt man aneinander. Gehen beide in Pension, muss man gemeinsam eine neue Struktur aufbauen.

10. Worüber könnte sich meine Familie freuen, wenn ich mehr Zeit habe?

WisR: Vielleicht hat man jetzt die Gelegenheit, auch etwas für andere zu tun. Den Garten im Haus der Tochter anzulegen oder Gitarrenstunden, die man seinem Enkel einmal vor langer Zeit versprochen hat, zu geben.

11. Was könnte für die Familie herausfordernd sein?

WisR: Umgekehrt sollte man sich auch überlegen, welche Auswirkungen die eigene Pensionierung auf die anderen haben könnte. Sich in die Lage anderer zu versetzen, bringt oft neue, hilfreiche Erkenntnisse.

12. Welchen Beziehungen möchte ich ich widmen?

WisR: Einerseits hat man mehr Zeit für Familie und Freunde. Vielleicht möchte man aber auch noch mit alten Arbeitskollegen oder Kunden in Kontakt bleiben. Oder sich in Vereinen oder als Mentor neue Beziehungen aufbauen.

13. Welches Erlebnis habe ich immer wieder aufgeschoben und für die Pension aufgehoben?

WisR: Der Klassiker. Was kannst du dir jetzt endlich ermöglichen? Materielles steht bei dieser Frage nicht unbedingt im Vordergrund - vielleicht hast du ja jetzt Zeit und Muße für Spanisch, deine Flöte oder das stets aufgeschobene Foto-Projekt.

14. Was möchte ich noch lernen?

WisR: Kein Scherz: In Österreich und Deutschland studieren Tausende Senioren. Es gibt sogar eigene Lehrgänge und Akademien für Senior Talents. Thematisch spielen sie alle Stücke, die Uni Wien hob nun sogar das "Studium Generale" für die nachberufliche Phase aus der Taufe. Bewerbungen für das Wintersemester 2020/21 sind aktuell möglich.

15. Wie möchte ich NICHT leben?

Claudia Altmann: Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben lang nicht reflektieren. Sie funktionieren - und das funktioniert für sie oft auch gut. Für die psychische Gesundheit ist es aber durchaus sinnvoll, Dinge zu hinterfragen. Dadurch bekommt man eine persönliche Entscheidungsfreiheit.

Hier kommst du zur deutschen Version der "15 Fragen, die du dir vor der Rente stellen solltest"

Quellen:

Arbeiterkammer

Das neue Pensionskonto

Pensionsversicherung

Statistik Austria

Universität Wien

Bundeskanzleramt

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