Lifestyle
April 22, 2020

Börsenomi Beate Sander (82): "Arbeite 100 Stunden die Woche"

Man könnte sagen, Beate Sander, 82, ist ein Workoholic. Gerade jetzt, in der Corona-Krise, komme sie pro Nacht kaum auf vier Stunden Schlaf, erzählt sie fröhlich. So viel habe sie zu tun. Interviews geben, Webinare und Keynotes halten, Kolumnen schreiben, eigene Buch-Projekte vorantreiben. Um Däumchen zu drehen, fehlen ihr schlicht die Zeit - und die Lust. Schließlich will sie ihr neues Werk "Richtige Geldanlage in Krisen und im Crash" noch bis Ende Mai herausbringen.

Beate Sander, liebevoll Börsenomi genannt, ist deutsche Finanzexpertin und Bestseller-Autorin. Und reich. Zu ihrem Vermögen kam sie allerdings erst nach ihrer Karriere als Lehrerin, im Ruhestand. Ihre erste Aktie erwarb sie mit Ende 50. Mit ihr kam das Interesse an anderen Aktien, dann die Millionen. Bald schon will sie ihre dritte erreichen, erzählt sie ganz offen.

Reich im Ruhestand

Geschrieben hat die 82-Jährige immer schon gern, im Ruhestand startete sie dennoch eine völlig neue Karriere. Und hat mit ihrem Expertendasein und ihren klugen Anlagen wohl so viel Geld verdient, wie ihr ganzes Leben davor nicht. Der Evergreen im Finanzwesen, "Der Aktien- und Börsenführerschein", erscheint jetzt in 10. Auflage.

Wie schafft man das? Und wie können Menschen, die sich keinen finanziellen Polster angespart haben, trotzdem ihr Kapital vermehren? 

Wir haben sie gefragt.

WisR: Frau Sander, gibt es so etwas wie Last-Minute-Tipps oder ist es kurz vor oder bereits im Ruhestand schon zu spät, um sich Gedanken über einen finanziellen Polster zu machen?

Beate Sander: Es ist nie zu früh und selten zu spät. Es nutzt nichts, wenn man 60 ist und jemand einem sagt: "Da hätten Sie vor 30 Jahren anfangen sollen, etwas zu tun." Nachdem man durch den demografischen Wandel heute länger lebt, hat man noch eine Menge Zeit. Es kommt dann nur darauf an, wie viel Geld, Wissen, Zeit und Lust man hat, etwas bezüglich seiner Kapitalvermehrung zu machen. Es gibt nichts Schlechteres, als 30 Jahre lang von einer spärlichen Rente dahinzuleben und sich kein schönes Leben leisten zu können. Man muss es angehen.

Wie denn? Nicht alle Menschen haben Rücklagen, Frauen sind im Ruhestand außerdem häufig von Altersarmut betroffen.

Hier hängt vieles mit der Erziehung zusammen. Für Mädchen galt früher oft: Kinder, Küche, Kirche. Wenn man einen attraktiven Mann hatte, konnte man seine Schulbildung vernachlässigen. Als Frau muss man sich heute aber immer darüber im Klaren sein: Wie sieht es aus, wenn ich nicht verheiratet bin? Nicht erbe?

"Es ist nie zu spät, sein eigenes Geld zu sparen, damit ich einmal nicht auf die Grundsicherung angewiesen bin."

Viele Menschen, so wie Sie auch, arbeiten heute in ihrem Ruhestand. Auch das bessert die Finanzen auf.

Wenn der Mensch länger lebt, könnte man den Ruhestandsbeginn nach hinten verlegen. Im Schnitt hat man ein um zwölf Jahre längeres Leben. Warum dann nicht länger arbeiten? Natürlich kommt es auch darauf an, welchen Beruf man hat.

"Arbeit ist dann keine Strafe und keine Belastung, wenn sie einem gefällt. Ich arbeite 100 Stunden die Woche - ob Sie mir das glauben oder nicht."

Man kann aber auch weniger arbeiten, nicht jeden Tag, in Teilzeit oder auch ehrenamtlich. Je höher man qualifiziert ist, desto leichter wird das. Ich kenne ältere Ärzte, die halbtags arbeiten, oder Autowerkstätten, die ihre Meister aus der Pension zurückholen - und die kommen dann, weil ihnen die Arbeit Spaß gemacht hat.

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