Lifestyle
March 21, 2020

Corona-Quarantäne: Tipps für die Zeit zu Hause

Durch die Ausbreitung von COVID-19 wird unser Leben stark beeinträchtigt

Die Reduktion von sozialen Kontakten und der Appell, zu Hause zu bleiben, rufen in vielen Menschen Unbehagen aus.

Solchen Gefühlen solle man sich aber gar nicht erst hingeben, empfiehlt Psychologin Dr. Brigitte Lueger-Schuster von der Arbeitsgruppe Psychotraumatologie am Institut für Klinische und Gesundheitspsychologie der Universität Wien.

Die kommenden Wochen in den eigenen vier Wänden könne man nämlich durchaus sinnvoll und angenehm ausgestalten.

WisR: Aktuell appelliert man an die Menschen, ihre sozialen Kontakte weitestgehend zu reduzieren. Wer nicht zwingend muss, soll zu Hause bleiben. Wie geht unsere Gesellschaft mit solchen Einschränken um?

Dr. Brigitte Lueger-Schuster: Unsere Gesellschaft ist eine extrovertierte. Sie ist im Beruf- und Privatleben intensiv nach außen orientiert. Wir haben sehr viele Ablenkungsmöglichkeiten und können jede Stunde des Tages outdoor verbringen. Wir sind auf solche Einschränkungen also nicht vorbereitet, wir sind sie einfach nicht mehr gewohnt. Trotzdem gibt es zahlreiche Dinge, die man indoor tun kann. Eines ist dabei wichtig: die eigene Haltung.

Wie sollte die sein?

Wir wissen aus der Bewältigungsforschung: Wenn man sich den emotionalen Belastungen hingibt, macht man sich’s selbst schwer. Wenn man die Situation annimmt und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten möchte, nämlich sich selbst und andere zu schützen, braucht man einen Plan.

Wie könnte so ein Plan aussehen?

Ich kann mir zu Hause jeden Tag etwas vornehmen. Alles, was Spaß macht: ein kleines Projekt, das man abarbeiten kann, endlich das Fotoalbum für die Enkel zusammenstellen, den Kleiderschrank neu sortieren, die Buchhaltung auf Vordermann bringen, neue Yoga-Übungen ausprobieren. Alles, was dem Tag einen guten Ablauf und Struktur gibt, macht Sinn.

Brauchen wir aktuell alle mehr Resilienz?

Ja. Aber das Gute ist: alles, was ich aktiv tue, erhöht die Resilienz. Beschäftigt man sich hingegen mit negativen Gedanken, reduziert es die Resilienz. Man hat dann weniger Kapazitäten und Stress ist auch nicht gut fürs Immunsystem. Ich glaube, junge Menschen leben heute ein doch sehr nach außen orientiertes Leben, für sie könnte die Umstellung sogar schwieriger sein. Vielleicht haben Senioren durch ihre Lebenserfahrung mehr Möglichkeiten, cool zu bleiben. Könnte sein, dass sie besser damit umgehen können.

Welche psychologischen Tipps haben Sie speziell für Senioren?

Ich glaube, es gibt nicht viele Unterschiede zwischen Jung und Alt. Die Frage ist in beiden Fällen: Welches soziale Netz hat man? Je kleiner es ist, desto mehr sollte man es pflegen und mit anderen etwa durch soziale Medien oder Telefonieren in Kontakt bleiben. Es gibt immer jemanden, mit dem man Plaudern kann, nur eben nicht im Kaffeehaus, sondern telefonisch. Ich glaube auch, dass man die Zeit jetzt auch ein Stück weit genießen kann für Dinge, die man sonst immer aufgeschoben hat. Mal einen Film anzuschauen oder etwas für die Enkel, die man nicht sehen kann, vorzubereiten. Dann kann man stolz auf sich sein. Weil man das und auch einen Beitrag zu einer geringeren Verbreitung geleistet hat.

Silver Ager können die Zeit zu Hause für Wertvolles und Schönes nutzen

WisR-Tipps fürs Zuhausebleiben

In Kontakt bleiben 📱

Mit digitalen Technologien ist es heute ganz einfach, rund um den Globus in Kontakt zu bleiben. Natürlich kann man telefonieren. Wer aber ein Smartphone, Tablet, Laptop oder einen Computer mit Internet zu Hause hat, kann auch Video-Anrufe machen und so seine Enkel sehen oder Freunde zum virtuellen Kaffeekränzchen einladen.

- Videophonie am Smartphone geht übrigens ganz einfach, am geläufigsten sind die kostenlosen Applikation (via App-oder Play Store zum Herunterladen) WhatsApp, Viber oder Facetime (für iPhone, iPad oder iPod touch).

- Für den Desktop eignen sich die ebenfalls kostenlosen Programme Skype, Google Hangouts, Viber, Facetime oder Google Duo.

- Wer sein Zuhause "smart" eingerichtet hat und einen Echo-Lautsprecher mit Amazons Sprachassistentin Alexa besitzt, kann auch so videotelefonieren.

Weiterbilden 📚

- Für Feingeister gibt es wunderbare virtuelle Museumstouren. Die Google Arts & Culture’s collection lässt einen durch die Uffizien "schlendern" oder sich virtuell im MoMa verlieren. Jedenfalls einen "Besuch" wert! 

- Manche Künstler und Kultur-Betriebe streamen ihre Auftritte direkt in unser aller Wohnzimmer. Die Vorstellungen der Berliner Staatsoper Unter den Linden oder des Theaters an der Wien, die vor leeren Rängen stattgefunden haben, werden nun nach und nach im Netz oder im TV gezeigt.

- In diesen Zeiten kommen YouTube-Tutorials wie gerufen. Egal, ob man jetzt endlich die Zeit hat, Flöte, programmieren oder kochen zu lernen, seinen Horizont zu erweitern oder seine Spanisch-Kenntnisse auf Vordermann zu bringen - das Netz bietet allen Silver Talents was.

- Ebenfalls nett: Hörbücher (etwa über Audible) oder Podcasts (etwa über Podbean, Apple Music oder spotify) streamen. Wir empfehlen das Hörbuch "Factfulness - Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist", inspirierende TED-Talks (als Podcast oder auf YouTube), oder den Podcast "Leben für Fortgeschrittene".

Ausmisten und Ordnung schaffen 🧺

- Der Frühling steht vor der Tür und er bringt jede Menge Aufgaben mit sich. Kleiderschrank neu sortieren, Winterjacken im Keller verstauen, den Balkon herrichten, Pflanzen abstauben, die Wohnung umdekorieren, Ungeliebtes auf willhaben.at stellen und Platz für Neues schaffen sind nur einige der möglichen To-Dos.

- Klarerweise funktioniert das auch auf professioneller Ebene: Lohnsteuerausgleich machen, endlich eine Übersicht in die Akten reinbekommen - oder einfach in Ruhe an neuen Ideen und Projekten arbeiten. Homeoffice, Freelancer-Jobs oder Jobs für freie Dienstnehmer kann man ja nach wie vor wahrnehmen. Welche Jobs sich für das Homeoffice eignen und wie man sich eines einrichten könnte, erfährst du hier.

Einschalten - und abschalten 💻

Natürlich lockt auch das große On-Demand-TV-Angebot. Wir empfehlen:

- Grace and Frankie: Kürzlich erst ist die 6. Staffel "Grace and Frankie" erschienen. Wenn die 80-Jährige Jane Fonda mit der ebenfalls 80-Jährigen Lily Tomlin loslegen, bleibt kein Auge trocken - viel liebevolles Kopfschütteln inklusive.

- The Kominsky Method: Michael Douglas und Alan Arkin mimen in der Serie "The Kominsky Method" beste Freunde. Neben tiefgründigen Gesprächen finden sie aber auch reichlich Zeit zum Arbeiten, für lockere Liebeleien und auftauchende Alterserscheinung. 

- Man lernt nie aus / The Intern: Die junge New-Yorker Start-up-Gründerin Jules (Anne Hathaway) weiß, was sie will. Als der 70-Jährige Ben (Robert de Niro) ihr Praktikant wird, schließt er mit seinem Wirken und seiner Erfahrung eine Lücke, von der Jules nicht einmal gewusst hat, dass sie da war. Eine wunderbare WisR-Erfolgsgeschichte.

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